Kleine Sattlerkunde  

Für den Wanderreiter kann es wichtig sein, kleine Reparaturarbeiten  an Halftern, Zaumzeugen oder Sätteln selbst, zumindest notdürftig ausführen, bzw. reparieren zu können. Die hierfür notwendigen Techniken sollten vorher geübt werden.

Die Naht
Es wird zwischen zwei verschiedenen Nahtarten unterschieden. Die Sattler- und die Maschinennaht.

Die Maschinennaht (heute wohl die gebräuchlichste Form) findet sich an industriell gefertigten Lederteilen und hat den Nachteil, daß sie, wenn ein Stich beschädigt ist, leicht in ihrer gesamten Länge aufreißt. Sie besteht aus Ober- und Unterfaden, die in der Mitte des Materials miteinander verschlungen werden.  Anfang und Ende der Naht werden entweder mit der Hand (bessere Ausführung), oder aber durch Vor- und Rückwärtsnaht vernäht Sie ist nur maschinell herzustellen und muß mittels einer Handnaht/Sattlernaht repariert werden.

Die Sattlernaht ist dagegen wesentlich haltbarer. Ein beschädigter Stich beeinträchtigt die Haltbarkeit der gesamten Naht nur unwesentlich. Sie wird durch zwei, sich im Material kreuzende Fäden hergestellt. In das mit einer Ahle zuvor gestochene Loch werden demnach die Nähnadeln mit dem Garn von links und rechts durch das Material durch- und angezogen. 

Nadel, Faden und Ahle
Die in der Sattlerei verwendeten Nadeln sind vorne stumpf. Stärkeres Material, z.B. Leder, muß mit einer Ahle vorgestochen  werden.

Schneidahlen verwendet man zum Fertigen neuer Löcher. Rundahlen dagegen beim Nachnähen vorhandener Nähte. Niemals eine Schneidahle dort verwenden, wo sich bereits eine Naht befindet! Hierdurch würde das Garn beschädigt (durchtrennt) werden!

Wie bekomme ich das relativ dicke Nähgarn fest in das kleine Öhr der Nadeln? Ganz einfach! Dazu werden die Garnenden mit einem Messer (oder ähnlichem Gegenstand) so lange bearbeitet (Garn über eine nicht allzu scharfe Klinge ziehen), bis sie durch Abscharben einzelner Fasern auf einer Länge von ca. 5 Zentimetern spitz zulaufen. Anschließend wird das Garn gewachst (Nähgarn über das Wachs ziehen), wozu man möglichst Bienenwachs verwenden sollte. Die hergestellten Spitzen doppelt wachsen!

Die Nadel wird anschließend ca. 3-4 cm von der Garnspitze entfernt dreimal durch das Garn gestochen und sodann die Spitze durch das Nadelöhr geführt.   

 

Die drei mal durchstochenen Teile des Garns werden nun noch über das Nadelöhr gestülpt.

Der Faden ist nun fest mit der Nadel verbunden und löst sich auch beim Anziehen des Garns nicht mehr von der Nadel. (üben!)

Nachnähen von Nähten
Immer wieder kommt es vor, daß Nähte (besonders bei Maschinennaht) schadhaft werden, d. h. bei einzelnen Stichen das Garn durchgescheuert wurde. Regelmäßige Kontrolle und frühzeitiges Ausbessern schützt hier vor unliebsamen Überraschungen!

Die Technik des Nähens kann am besten geübt werden, indem man schadhafte Nähte an Lederteilen ausbessert bzw. nachnäht. Hierzu auf jeden Fall eine Rundahle zum Vorstechen verwenden, damit das vorhandene Garn nicht durch den Stich beschädigt wird!

Zur Fixierung des Materials verwendet der Sattler einen Nähkloben oder ein Nähroß; eine Art Schraubstock aus Holz. Die Anschaffung wäre aber für den Reiter unrentabel und das Werkszeug kann beim Reiten auch nicht mitgeführt werden. Für kleinere Arbeiten zu Hause kann man auch einen normalen Schraubstock aus der Werkstatt verwenden, wenn man darauf achtet, daß das Leder durch die Metallbacken des Schraubstocks nicht beschädigt wird (eventuell Lederreste unterlegen!). Größere und sperrige Werkstücke (z.B. Sattel) kann man sich für diese Arbeit zwischen die Beine klemmen. Übung macht den Meister!

Anfang und Ende der Naht werden haltbar vernäht, indem man 2-3 Stiche über die alte Naht hinaus näht, oder rückwärts genäht wird. Der letzte Stich ist ein halber Stich, damit beide Enden des Garns auf der Unterseite des Materials liegen und dort abgeschnitten werden können.

Weitere nützliche Werkzeuge
Der Sattler hat eine Vielzahl von teuren Spezialwerkzeugen, deren Anschaffung aber für den Wanderreiter nicht sinnvoll ist. Zum Einen sind sie zu teuer, wenn man nur gelegentlich Notreparaturen ausführen will, und andererseits kann auf einem Wanderritt nicht auch noch schweres Werkzeug transportiert werden.

Sinnvoll dagegen ist das Mitführen eines kleinen Federmessers. Die sehr scharfe Abbrechklinge erlaubt selbst das Zuschneiden von Lederteilen und Lederriemchen, Das Ausschärfen (dünner machen) von Lederteilen oder auch das manchmal erforderlich werdende Auftrennen von Nähten.

Ein weiteres, nützliches und auch erforderliches Werkzeug ist eine Lochzange, besser noch Locheisen. Lochzangen sind leider etwas sperrig, allerdings bereits für wenige Mark in Baumärkten etc. erhältlich. Die Qualität läßt zwar zu wünschen übrig, aber für die Notreparatur sind sie durchaus ausreichend.

Locheisen dagegen werden in verschiedenen Größen (2-3) benötigt und sind teurer. Sattler verwenden für die meisten Arbeiten ovale Locheisen (ein Schnallendorn geht besser durch ein ovales Loch). Diese kosten jedoch je nach Größe 40,- bis 60,- DM je Stück! Runde Locheisen tun es auch und kosten wesentlich weniger Geld. Man kann sich damit behelfen, indem man im Bedarfsfall zwei leicht versetzte Löcher einschlägt. Das Ergebnis wird auch oval! Für Nieten und Chikagoschrauben sind sowieso runde Löcher nötig.

Will man in einen Riemen eine Schnalle einsetzen, so ist ein, mehere Zentimeter langes Loch erforderlich. Auch hierfür hat der Sattler Spezialwerkzeug (Kappenlocheisen). Man kann sich helfen, wenn man zwei runde Löcher in entsprechendem Abstand einschlägt und die Mitte zwischen beiden Löchern mit dem Federmesser ausschneidet.

Um Platz und Gewicht zu sparen, kann man auch aus einer Lochzange die Lochpfeifen ausbauen (bei besseren Lochzangen sind diese nur eingeschraubt), und nur die Lochpfeifen auf dem Ritt mitführen. Die Löcher müssen dann mit einem Hammer (ist beim Beschlagswerkzeug vorhanden) oder ähnlichen Gegenstand in das Material eingeschlagen werden.

Sonstige Techniken
Will man das Nähen von Lederteilen z. B. aus Zeitgründen vermeiden, so kann man sich auch anderer Techniken zur Herstellung einer haltbaren Verbindung bedienen.

Chikagoschrauben
Chikagoschrauben (auch Hutmuttern genannt) stellen eine einfache Möglichkeit dar, Lederteile haltbar miteinander zu verbinden. Es ist allerdings zu beachten, daß sich die Schrauben nach längerer Zeit lösen können und immer wieder nachgezogen werden müssen! Jeder Westernreiter (Chikagoschrauben finden bei Westernreitzäumen häufig Verwendung) kann ein Lied davon singen! Es ist unangenehm, plötzlich einen Zügel in der Hand zu haben, der nicht mehr am Gebiß befestigt ist!!

Bei der Reparatur von Lederteilen ist eine Lochzange oder Locheisen erforderlich. Ebenso ein Schraubenzieher, oder ein Messer.

Hohlnieten
Das vernieten von Lederteilen ist auch eine mögliche Variante zur dauerhaften Verbindung von Lederteilen. Hohlnieten sind in verchromter Ausführung (rosten mit der Zeit) und in Messing erhältlich.

Da es bei der Notreparatur nicht auf Schönheit ankommt, ist keinerlei spezielles Nietwerkzeug erforderlich. Ein Hammer aus dem Beschlagswerkzeug und eine feste, ebene Unterlage (Stein) sind ausreichend.

Nach dem Zusammenschlagen der beiden Nietenteile unbedingt prüfen, ob die Niete wirklich hält! Ist das zu verbindende Leder zu dick für die Nietengröße, kann es hierbei Probleme geben!

Flechtverbindungen
Lederteile können auch mittels Durchflechten dünner Lederriemen miteinander verbunden werden. Auch dies ist eine besonders bei Westernzäumungen häufig genutzte Art.

Es gibt mehrere Möglichkeiten hierzu, die auch bei entsprechender Ausführung (z.B. durch farbiges Leder) einen gewissen Schmuck darstellen können.

Es ist sinnvoll, auf einem Wanderritt für diesen Zweck vorbereitete Lederriemchen mitzuführen, da eine Anfertigung vor Ort doch etwas Zeit in Anspruch nimmt und voraussetzt, daß entsprechendes Leder mitgeführt wird.

Hierfür benötigtes Werkzeug sind Lochzange oder Locheisen, sowie eine  Zange (zum Durchziehen der Riemenenden durch die Löcher), welche im Beschlagswerkzeug vorhanden ist.

In die Satteltasche gehört:

  •          1 Rundahle mit Heft (zum Auswechseln mit Schneidahle)
  •          1 Schneidahle
  •          1 Lochzange oder 3 Locheisen verschiedener Größen
  •          4 Sattlernadeln (2 als Ersatz)
  •          etwas Sattlergarn, möglichst verschiedene Stärken
  •          etwas Bienenwachs (auch Kerze im sonstigen Gepäck)
  •          1 Federmesser
  •          4 Chikagoschrauben (2 lange und 2 kürzere)
  •          mehrere vorbereitete, dünne Lederriemen
  •          kurze Lederriemen (10 cm) in den häufigsten Breiten

Das weiter erforderliche Werkzeug (Hammer etc.) ist in der Notbeschlagsausrüstung enthalten!

Werden zusätzlich noch normale Nähnadeln, festes Nähgarn und Knöpfe (Haushaltswaren) mitgeführt, ist die „Wander-Nähwerkstatt“ für Ausrüstung und Bekleidung des Reiters komplett!