Interessante Urteile rund um den Pferdesport


Keine Entlastung bei der Tierhalterhaftung für Idealvereine

1. Kommt es bei der Erteilung von therapeutischem Reitunterricht zu einem durch Tiergefahr verursachten Unfall, kann sich der Reitlehrer als Tierhalter nach § 833 S. 2 BGB nur dann entlasten, wenn er solchen Unterricht berufsmäßig erteilt; dazu reicht eine nur gelegentliche Tätigkeit - neben einem sonst ausgeübten Hauptberuf - nicht hin.

2. Auch einem Reitverein, der satzungsgemäß therapeutisches Reiten anbietet, ist die Entlastung nach § 833 S. 2 BGB verschlossen, wenn die Haltung von Pferden nicht der Erzielung von wirtschaftlichem Gewinn dient; das ist bei einem Idealverein regelmäßig nicht der Fall.
Oberlandesgericht Hamm - Urteil vom 22.09.2009 - 9 U 11/09
BGH vom 21. Dezember 2010 – VI ZR 312/09


Haftung bei Gefälligkeiten - BGB § 833, 847, 254

übernimmt jemand aus Gefälligkeit die Aufgabe, während der Urlaubsabwesenheit eines Pferdehalters dessen Reitpferd durch Führen am Führstrick zu bewegen und wird er hierbei durch das Pferd verletzt, so kann ihm der Pferdehalter nach § 833 BGB zum Schadenersatz verpflichtet sein.
Entscheidend ist, ob der Geschädigte die unfallverursachende Tätigkeit vorwiegend im eigenen Interesse ausübt oder um dem Tierhalter gefällig zu sein. Im letzteren Fall ist für einen Ausschluss der Haftung nach § 833 S. 1 kein Raum.
OLG Köln (126 U 54/92)


Tierhüterhaftung - BGB § 833, § 834

Wer ein gemietetes Pferd selbständig ausreitet ist zwar nicht Tierhalter (auch nicht Mithalter) des Reitpferdes im Sinne von § 833 BGB, wohl aber in der Regel Tierhüter im Sinne von § 834 BGB.
BGH (VI ZR 161/85)


Pferde sind gefährlicher als LKW!

Nach dem OLG Celle haftet bei einem beiderseits unverschuldetem Zusammenstoß zwischen einem Lkw und einem Pferd, das auf einer öffentlichen Straße (hier: einer Bundesstraße mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h) geritten wird, der Tierhalter mit einer Quote von 70%, da von einem Pferd im Straßenverkehr die weitaus größere Gefahr ausgeht.
AZ: 14U94-02


Reitlehrer haftet auch bei Fehler des Schülers

Bei einem Reitunfall haftet grundsätzlich der Veranstalter des Reitunterrichts. Dies geht aus einem Urteil des OLG Koblenz hervor. Nur wenn der Veranstalter nachweisen könne, dass er alle zumutbaren Vorkehrungen getroffen habe, um Unfälle zu vermeiden, greife die Haftung nicht. Das OLG befand, eine vom Pferd gestürzte und anschließend gegen den Reitstallbesitzer klagende Reitschülerin müsse kein Verschulden des Veranstalters nachweisen. Umgekehrt müsse dieser beweisen, dass er die erforderlichen Schutzvorkehrungen gegen Reitunfälle getroffen habe. Zwar dürften diese Anforderungen nicht überzogen werden, da Reitunfälle nie ganz auszuschließen seien. Trotzdem müsse das Gericht dieser Frage nachgehen. Denn den Veranstalter treffe grundsätzlich eine Gefährdungshaftung.

(OLG Koblenz AZ 5 U 1708/05)